THIS FEELS LIKE: Master Cleanse

Mi Ma Master Cleanse. When life gives you lemons, start a master cleanse. 

Nach viel zu viel mal ganz Verzichten. Das dachte ich mir und habe es am eigenen Leibe versuchen wollen. 

Als kleine Information am Rande: Ich habe noch nie gefastet. Aber wieso nicht. Einmal ist immer das erste Mal. 

 

Den Österreichurlaub gut und zünftig überstanden und gerne mal einen reimsaufen. "Damit ist jetzt Schluss!" - somit war der Entschluss gefasst. 

 

Ich glaube das Thema Master Cleanse muss ich hier nicht weiter ausführen. Kurz angerissen: eine Fastenkur, bei der man sich einmal komplett leer macht und dann nichts zu sich nimmt, außer 6 - 12 x am Tag eine Mischung aus Wasser, Zitronensaft, Cayennepfeffer und Ahornsirup - aber bitte Typ C.

 

Den Einführungstag habe ich "gut" überstanden, war auch nicht wild. An diesem isst man weitestgehend leichte Kost, also ausschließlich Obst und Gemüse, leichte Suppen, keine tierische Produkte (...), damit der Körper sich auf die fehlende Nahrung einstellen kann. 

 

 

Hier, der weitere (Gedanken-)Verlauf meiner Heilfastenkur. Have fun. 

 

Tag 1 ohne Essen:

Beginnt mit einer Räumung (muss und will ich nicht weiter ausführen)

Die Stimmung sonst schwankt zwischen Euphorie, Vorfreude und Hunger. Oh man, habe ich einen Hunger. Aber die Motivation ist noch da. Ey mega - denke ich. Sowas hab ich noch nie gemacht. So viele tolle Zusprüche habe ich erhalten. Ich soll durchhalten. JA - ich schaff das. Ab dem 3. Tag wird es leichter. Man fühlt sich wie neugeboren. Hmmm... Okay. Ich kann noch nicht daran glauben. Gegen Nachmittag brechen unheimliche Kopfschmerzen über mich herein. Ich versuche sie wegzumeditieren. Mache eine Runde Yoga. Trinke hier und da ein Glas von meiner Zauberlimonade. Liege viel und langweile mich. Ich dachte man soll sich schonen? Mir ist langweilig. Und ich werde ungeduldig. Aber irgendwie habe ich immer noch Lust auf die Veränderung. Erster Tag ist fast geschafft - das wird schon.

Je später es wird, desto größer wird das Hämmern in meinem Kopf. Gegen 23.30 Uhr wanke ich weinend ins Bett und wünsche mir, ich hätte das ganze nie begonnen. Ach ja, Kaffeeentzug. Ach ja, Rückvergiftung. Wow. Hab ich schon erwartet - aber sowas? Definitiv eine unvergessliche Erfahrung. Nach einem großen Glas Elektrolyte schlafe ich ein. Geschminkt und mit Klamotten. Interessant. 

 

Tag 2 ohne Essen:

Morgens ist es super. Ich schlage die Augen auf, bin sofort mega fit. Fühle mich wach, ausgeschlafen und voller neuer Motivation. Erstmal Dusche, dann Kaffee und schön frühstücken. Äh... ach ja, da war ja was. Kein Kaffee. Too bad. Frühstück - Fehlanzeige. Ok erstmal eine Limo. I love it. Den Pfeffer kann ich jetzt schon nicht mehr riechen. 10 TAGE? Manche machen das sogar 40? Ich suche mir Ausreden wie: in 10 Tagen nehme ich viel zu viel ab und das ist definitiv nicht mein Ziel. Deshalb: Hey - in 3 Tagen kann man auch gut entgiften. Oder? 

Mittag bekomme ich einen riesen Motivationsschub: Termine vereinbart, Überweisungen gemacht, alles soweit erledigt. Check. 

Dann war ich spazieren. Beim Elternabend. Habe mir Blumen gekauft - ja war irgendwie glücklicher. Bin grinsend durch die Straßen Kreuzbergs gelaufen und war wieder motiviert, die 10 Tage vielleicht doch durchzuziehen.  

Mit dem Eintreten der Dunkelheit lies dieses Gefühl nach. Ich merkte schon bald, es wird eine tolle und laue Sommernacht. Ja und ich sitze hier. Schaue Serien. Wie lange habe ich auf den Sommer gewartet? Eine halbe Ewigkeit. Und jetzt sitze ich hier und mache eine Fastenkur? 

 

Ganz ehrlich: Ich weiß noch nicht mal, wie lange ich das durchhalte. Aber wem muss man denn etwas beweisen? Eigentlich niemandem! Und wenn ich 3 Tage durchhalte, ist das für MICH schon wahnsinnig gut. 

Wie gesagt, ich habe noch nie zuvor gefastet. Ich liebe essen über alles. Und für mich ist alles, was mit Essen zu tun hat, das Größte auf der Welt. Ich denke bestimmt 10 Stunden am Tag darüber nach. Schreibe darüber. Recherchiere. Lese. Mein Instagram Feed ist voll von Restaurants und allen Tastys, Buzzfeed und Tastemades dieser Welt. Es ist zum verrückt werden. 

 

Es ist schon komisch. Da stellt man einen Anspruch an sich selbst. Und ist ständig hin und her gerissen. Davon, dass alle anderen draußen sind und Spaß haben, hier ein Vino, dort eine Pasta. Und ich mache diese Kur. Eigentlich für mich. Und sitze dennoch hier und ärgere mich darüber, dass ich nicht raus kann. Aber eigentlich kann ich ja auch raus. Aber fühle mich bei dem Gedanken einfach nicht wohl, in einem Restaurant oder Café zu sitzen und an meinem Wasser zu nippen - immer mit der Hoffnung irgendjemand bestellt sich etwas zum Essen, damit ich wenigstens daran riechen kann. Vielleicht bin ich doch nicht der Mensch fürs Heilfasten. Oder man sollte sie mit jemandem zusammen machen. Oder im Winter. Oder oder oder. Mir fallen ständig neue Dinge ein, die dagegen sprechen. Und ich muss mich immer wieder tadeln, in dem ich mir sage: du tust das hier für dich. 

 

Es neigt sich gegen 0 Uhr. Die Kopfschmerzen kommen zurück. Und im Moment fühlt sich alles danach an, als seien meine 10 Tage Kur noch nicht nötig. Zumindest JETZT nicht. Hey, wieso nicht einfach mit 3 anfangen? Ich lass es mir mal durch den Kopf gehen. Vielleicht aber am Besten, wenn dieser wieder aufgehört hat zu hämmern. In diesem Sinne - gute Nacht. 

 

Tag 3 - also zumindest ging Tag 3 bis 3:30 Uhr. 

Ich werde von quälenden Bauchschmerzen wach und schleppe mich auf die Toilette. Meine Reserven sind am Ende. Irgendwie ist mir heiß und kalt. Dann sinkt mein Kreislauf komplett in den Keller. Ich mache mir große Sorgen. Um mich. Meinen Kreislauf. Und meinen Körper. Und beschließe am nächsten Morgen meinen Tag mit einem großen Glas Saft zu beginnen. 

Ich mache mir viele Gedanken. Über Fasten an sich, über mich und  über meinen Körper. Und komme zu dem Schluss, ich begebe mich in die Aufbauphase. Einen Tag voller Saft und mein Körper fühlt sich sofort besser. Ich mich auch. Und bin dennoch wahnsinnig stolz auf mich, dass ich das versucht habe. 

 

Mein Fazit: ich werde wieder fasten! Aber dann mit Saft. Oder Brühe. Oder eine der hundert anderen Heilfasten Alternativen. Ich habe es ausprobiert und einfach festgestellt, mein Körper ist dafür nicht geschaffen. Oder mein Geist nicht bereit dafür. Oder beides. 

 

Und: ein riesen DANKE an eure vielen lieben Zusprüche, Nachrichten und Tipps. 

Das hat mich sehr gerührt. 

 

 

<3